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Frau Indica: Der Bettina-Fries

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Der Bettina-Fries

Von Frau Indica am 28. April 2008, 20:55. 5 Kommentare

Ob Leporello, Fries oder Comic, da ist was Spannendes entstanden beim Illustratoren- Workshop in Schloss Wiepersdorf. Neun Illustratoren, die allesamt mal zusammen in Braunschweig studiert haben, taten das, was man tut, wenn man in Wiepersdorf zu Gast ist – sie schufen Kunst.

Neue Bilder von Haus und Garten, in etwa so lautete die Anregung zum Denksport. Daraus entwickelte sich ein Gemeinschaftsprojekt, wie es bei Illustratoren nun auch nicht eben üblich ist: Die Auseinandersetzung mit Bettina von Arnim, ihrer Biographie, was auch sonst böte sich an diesem Ort an?

Dazu etwas absolut Ungewöhnliches für üblicherweise Alleinschaffende – Blatt für Blatt, Bild für Bild wachsend verbanden und verwoben sich Motive miteinander. Kannst du mir mal ein Pferd machen? Na, und dann hat der eine eben das Pferd gezeichnet, der andere wieder eher was als Collage gearbeitet und so ist eines zum anderen gekommen. Wir haben wirklich in den Bildern der anderen gearbeitet, das ging bestimmt auch nur, weil wir uns schon so lange kennen, erläutert mir Kristina Heldmann bei unserer abendlichen Gästebesichtigung die Arbeitsweise der Künstler.

Berlin, Braunschweig, Wien, Hamburg treffen in Wiepersdorf aufeinander. Sonst arbeiten die ausgebildeten Grafik-Designer mit unterschiedlichen Schwerpunkten, als Fotografen, freie Künstler, Bildhauer glaube ich auch und eben als Grafiker und Illustratoren.

So viel Zeit im Off ist selten, so viel frei schwebendes Arbeiten ebensowenig. Die eine hat einen kurzfristigen Auftrag für den Stern abgesagt und überhaupt sind alle gut beschäftigt mit dem Nachwuchs. Vier Babies und ein Kleinkind finden auch ihren Platz im Kreativgetümmel und wer einen Kinderwagen fährt, der braucht kein Gerät, um Arbeitsmaterialien zu transportieren.

Geschichten, die sich miteinander bei den Illustratoren verweben und nun auch mit der Vita von Bettina von Arnim. Eine Wiederbegegnung mit einer ungebärdigen, privilegierten, denkfrischen Frau, die nicht nur in Wiepersdorf, sondern vielmehr in der Literatur- und Sozialgeschichte des 19. Jahrhunderts ihre Spuren hinterlassen hat. Hier einige Strips der Geschichte.






Bettina Brentano, Kaufmannstochter aus Frankfurt. Schwärmt schon in jungen Jahren für den großen Goethe.


Die Frau vom Rat und Bettina mochten sich nicht besonders gut leiden.


Was da war mit Bettina, den Kohlköpfen und dem Gärtner, das muss ich nochmal nachlesen.


Caroline von Günderrode, die Freundin, die sich 1806 das Leben nimmt. Ein Ereignis, das Bettina nie mehr los lässt.


Achim von Arnim, der Freund des Bruders, ein Briefwechsel beginnt, lange noch, bevor die beiden heiraten.


Heirat, Umzug nach Wiepersdorf, auf das von Arnimsche Gut. Bettina hält es dort nicht lange aus, sie braucht Stadt und Anregung und den Puls der Zeit um sich.


1831, 17 Jahre nach der Hochzeit und 7 Kinder später: Achim von Arnim stirbt.


Bettina geht endgültig nach Berlin. Erst jetzt beginnt ihre eigentliche schriftstellerische und sozialpolitische Aktivität.


Die Missstände in Schlesien, die Niederschlagung der demokratischen Bewegung, Bettina von Arnim wendet sich gleich an Friedrich Wilhelm IV. Dieses Buch gehört dem König, wem auch sonst?


Irgendwie hat die laute Bettina Ähnlichkeit mit Madonna, oder? Zumindest sehr ähnliche Pop-Lippen und das gelbe Haar, das sich leitmotivisch für Bettina durch den Fries zieht.


Finis. Begraben liegt Bettina wiederum in Wiepersdorf. Ihr und Achim von Arnims Grab kann man immer noch auf dem Kirchhof sehen, ein Abrieb vom Stein, der einzelne Schwan von heute, auf dem Teich.


Das sind die Künstler selbst. Gut, dass einer nicht beim Bettina-Comic mittun mochte und die Akteure selbst auf die Leinwand brachte. Gemalt von Soenke Hollstein, im Salon des Schlosses hier zu sehen, die Reihenfolge krieg ich leider nicht korrekt hin: Ute Helmbold, Stefan Michaelsen, Frank Flöthmann, Katrin Funcke, Stephanie Guse, Ralf Edelmann, Kristina Heldmann und Martin Bennett.

Vielleicht gibt’s den Bettina-Fries ja beim Sommerfest in Schloss Wiepersdorf am 13. Juli nochmal ganz rund um den Raum getackert, im Netz oder als Präsentation zu sehen? Ich bin gespannt, was draus wird.

Vielen Dank übrigens an alle, dass ich Teile der Arbeit hier schon mal abbilden und zeigen darf.

Abgelegt unter:

5 Kommentare

1

Liisa
29. April 2008, 12:19 #

Sehr spannend und tolles Projekt, von dem Sie hier berichten, Frau Indica. Habe es gleich in beiden Blogs aufgegriffen, was vielleicht noch den ein oder anderen Leser herüberspült. Wäre doch schade, wenn das hier übersehen würde.

2

Indica
29. April 2008, 15:56 #

Liebe Liisa, ich habe natürlich gleich auch an Sie und Ihre beiden schönen Blogs gedacht. Ja, ich finde auch, diese s Projekt verdient Öffentlichkeit.

Und ich habe natürlich an Lila gedacht, die mich damals, vor, oh Schreck, beinah 25 Jahren in Berlin mit der Frühromantik vertraut gemacht hat… Schade, dass sie nicht dabei sein konnte!

3

Claudia
29. April 2008, 21:43 #

Auch in Berlin wird dieser Dichterin gedacht: kalliopevorleserin.w…

4

Indica
30. April 2008, 13:23 #

Ah, wie schön, Frau Claudia.

Ich schmökere gerade noch in der Gersdorff-Biografie über Achim und Bettina herum. Hmm, da muss ich heute Abend mal ein bisschen korrigieren, Hochzeitsjahr falsch gemerkt und so. Na ja, wird ja keiner heute akribisch nachrechnen, hoffe ich.

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